Die Rekonstruktion

 

 

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Die Rekonstruktion

 
      Die vervollständigte Nachbildung  
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie in der Architektur wird auch bei einem Schachspiel die Kunstform seiner Darstellung erst vollständig sichtbar, wenn alle zur Gestaltungsidee zugehörigen Teile vorhanden sind.

 

Während Schachspiele der jüngeren Vergangenheit noch in einer Vielzahl gut erhaltener Exemplare existieren, sind ältere Spiele oft umso lückenhafter überliefert, je weiter ihre Entstehung in der Schachgeschichte zurückliegt. Einige dieser fragmentarisch erhaltenen Figurensätze bieten aber ausreichend Anhaltspunkte, um verlorene Teile zu ersetzen und somit den Figurensatz in seiner Gesamtheit wiederentstehen zu lassen.

 

Vollständig verloren gegangen ist die Figurenwelt indischen Ur-Schachs. Doch etliche Spielsteine, deren Form sich direkt von den verschollenen Figuren ableitet, sind erhalten. Diese kunst- und schachhistorisch bedeutsamen Schachfiguren sind nur als Einzelstücke oder als Teile von Spielsätzen überliefert. Zu diesen frühesten erhaltenen Zeugnissen der Schachspielgestaltung zählt ein vergleichsweise außergewöhnlich umfangreicher Figurenfund. Er schuf die Voraussetzung zur Rekonstruktion eines Figurensatzes in einer seiner ältesten bekannten Form.

 

1876 erwarb das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 13 aus Knochen geschnitzte Schachfiguren. Sie waren wahrscheinlich in den Resten eines Burgstalls nicht weit von Adelsdorf a.d. Zenn (Lkr. Erlangen Höchstadt, Mittelfranken) ausgegraben worden. Mit Ausnahme des Bauern sind mit diesen Spielsteinen sämtliche Figurentypen eines Schachspiels überliefert. Ihre Gestaltung repräsentiert in einzigartiger Weise die exemplarisch-reine Form abstrakter Prägung. Der Fund wird im Allgemeinen als arabische Arbeit des 8.-9. Jahrhunderts eingestuft. 1.

 

Bei der Rekonstruktion des Adelsdorfer Figurensatzes wurde die Gestaltung des im Fund fehlenden Bauern von einem entsprechenden Spielstein übernommen, der zusammen mit einer Springer- und Läuferfigur in Zell am Ebersberg (Lkr. Haßberge, Unterfranken) entdeckt wurde. Diese Spielsteine weisen eine vergleichbare abstrakte Grundform auf wie die der Adelsdorfer Figuren. 2.

 

 

1. GNM, HG 2173 - 2185,

2. GNM, HG 10820 - 10822

 
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