Tschaturanga, auf den Spuren eines magischen Spiels

 

  Seite 8   Im Meer unbegrenzter Möglichkeiten  
 

 

 

Ratingen 1992

 
 

Der erste Entwurf einer Spielfläche aus gebranntem Ton überzeugte mich nicht.

 

 

Und es scheiterten viele Versuche, bis ich schließlich eine Holzoberfläche mit einem Naturgewebe bespannte, diese grundierte

 

und anschließend mit einer speziell entwickelten Siebdrucktechnik behandelte.

 

Parallel zu meinen Reisen verliefen meine Arbeiten an der für die Schachfiguren unentbehrlichen Spielfläche. Ein Original ist nicht vorhanden, und so bot allein das Kriterium der Ästhetik und des historischen Bezuges den Kompass zur Orientierung auf einem Meer unendlicher Möglichkeiten. Zahllose Spielflächen vielfältiger Art wurden entworfen, hergestellt und schließlich, im Kontakt mit den Figuren, als unbrauchbar erkannt. Mit einer für Außenstehende unverständlichen Zähigkeit arbeitete ich an der bestmöglichen Lösung, und als ich den Stapel nie bespielter Schachbretter immer höher türmte, traf mich so manch besorgter Blick aus meiner persönlichen Umgebung.

 

Entgegen der Meinung anderer war für mich die Wahl der passenden Spielfläche keine Frage des Geschmacks oder jeweiliger persönlicher Vorlieben. Für mich stand fest: Es darf nicht der Kopf auf einen falschen Körper gesetzt werden. Nach meiner tiefen Überzeugung gab es keine andere Lösung als nur die eine, deren Existenz ich zwar erahnte, die ich aber erst bei einer Gegenüberstellung erkennen konnte. Und dann endlich entstand das meiner Meinung nach einzig mögliche Schachbrett.

 

Nachdem ich die Spielsteine in ihre Felder gesetzt hatte, war ich von dem Gefühl des Zweifels auf Anhieb befreit. Ich trat einen Schritt zurück und sah die Figuren behutsam getragen von einem Untergrund, auf dem sich ihre plastische Wirkung in ganzer Kraft entwickeln konnte. Sie schienen beseelt von der Atmosphäre des Lebensraumes, nach dem sie schon immer verlangt hatten, und für den Hauch eines Augenblicks erschienen die Spielsteine wie lebendig und mit Sprache begabt und schwiegen doch nur, weil ihre Zustimmung keines Wortes mehr bedurfte.

 

Nun stand ich also kurz vor der Fertigstellung meiner Rekonstruktion. Nur die Erledigung einer einfachen, aber wichtigen Aufgabe hatte ich bis zum Schluss aufbewahrt. Ihre Durchführung konnte mit keinerlei Problemen verbunden sein. Ich hatte bislang nur fotografische Vorlagen zur Herstellung meiner Musterfiguren verwandt, ihre endgültige Form und Oberflächenstruktur konnte ich aber nur im direkten Vergleich mit den Originalen abstimmen. Zu diesem Zweck reiste ich im Oktober 1993 nach Nürnberg.

 
    nach oben