Tschaturanga, auf den Spuren eines magischen Spiels

 

  Seite 1   Der Auslöser - eine zufällig aufgeschlagene Buchseite  
 

 

 

Ratingen 1987

 
 

Den Künstlern der Bauhaus-schule galt mein Interesse und damit auch dem Schachspiel von Josef Hartwig

In einem Bücherstapel vergleichbaren Umfangs befand sich eine ganz bestimmte Seite. Hätte ich diese nicht zufällig auf- geschlagen, gäbe es diese Homepage nicht.

Die skizzierte Seite aus dem Schachbuch der Kunsthistoriker H. und S. Wichmann, das im Handel leider vergriffen war.

 

Anfangs war es für mich noch ein ganz normaler Tag, damals im Sommer 1987. Das übliche Einkehren bei meiner Großmutter, mein Platz im bequemen Sessel, aus der Küche Geräusche emsigen Räumens zur Vorbereitung der Kaffeestunde, mein eigentlich überflüssiges Blättern in entliehenen Büchern, die ich schon durchgesehen hatte und am selben Tag wieder in der Bücherei abzugeben gedachte. In nichts schien sich die Bedeutung meines Besuches von denen früherer zu unterscheiden. Jedoch unter der Oberfläche unschuldig anheimelnder Gewohnheit steuerte schon alles auf den Augenblick zu, mit dem diese Geschichte ihren Anfang nahm.


Ich legte gerade ein Buch zu dem mir damals fremden Thema Schachgeschichte beiseite. Für mich war ausschließlich die Gestaltung des Schachspiels von Josef Hartwig, einem Künstler der Bauhausrichtung, von Interesse gewesen. Eigentlich hätte es damit auch schon seine Bewandtnis gehabt, wäre in diesem Augenblick nicht meine Großmutter ins Zimmer getreten und hätte mich nach dem Inhalt meiner Lektüre gefragt. Um meine Antwort an Hand einer Abbildung kurz zu illustrieren, schlug ich willkürlich im Bildteil eine Seite auf. Es war ein Moment von scheinbar banaler Belanglosigkeit, der aber unversehens Macht über meine Zukunft erlangen sollte.

 

Anstatt einer eindeutig erkennbaren Schachdarstellung entdeckte ich die Abbildung merkwürdiger, fremdartig anmutender Gebilde. Sie erinnerten mich entfernt an die abstrakten Statuetten, die neben den Höhlenmalereien zu den frühesten Zeugnissen menschlicher Kunst und Kultur zählen. Doch hier handelte es sich zweifellos um Schachfiguren, wie sie die Textbeschreibung auswies. In den geheimnisvollen Formen dieses fragmentarisch erhaltenen Figurensätze sei noch die Gestaltung der verschollenen Spielsteine indischen Ur-Schachs spürbar, konnte ich lesen.

 

Noch während mein Blick zwischen den magisch wirkenden Erscheinungen in den Abbildungen und dem Text wanderte, hatte ich schon die leise Ahnung, auf eine kunsthistorische Besonderheit gestoßen zu sein.

An jenem Tag begann mich der rätselhafte Zauber dieser Schachfiguren in seinen Bann zu ziehen. Es entwickelte sich allmählich eine Faszination, die mich letztendlich bis auf die andere Erdhalbkugel führen und etliche Jahre meines Lebens beschäftigen sollte.

 
 
 
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